DIE EHE


Wenn der Tag beginnt, bevor es Nacht war.

Ich bin geflasht. Ich bin geflasht und müde (und auch erst seit wenigen Stunden wach, aber bereits auch wieder auf dem Weg ins Bett ;). Ich bin geflasht, müde, glücklich, begeistert, höchst emotional und zutiefst berührt. Gestern war DIE Hochzeit meiner kleiner Schwester und ihrem - nun :) - Ehemann.

Ich bin eigentlich viel zu müde um zu bloggen und trotzdem weiss ich, dass es jetzt das einzig richtige ist, meine Gedanken niederzuschreiben - sozusagen zu verarbeiten. Es gibt so viel über diesen Tag zu berichten, doch eines vorweg - dieser Blog-Post wird noch nicht, die Weddingreportage über Deko, Styling und natürlich den Tag der Hochzeit sein. Aus gutem Grunde, den ich respektiere.

Aber ich möchte dir erzählen, was mich besonders in der Nacht vor der Hochzeit beschäftigte und mich wohl deshalb lediglich zwei Stunden schlafen liess (ok, und natürlich der ganzen Aufregung wegen, und ob diese Rosen ja nicht die Köpfe hängen lassen und und und).

Doch um dich ebenfalls annähernd ein bisschen in meine Stimmung zu versetzen - hier mein Song of today and now (das ganze Album ist im Fall schön :). 

Die vergangenen Wochen scheinen nur so an mir vorbeigezogen zu sein. Da waren all die Geburtstage, Feiern, die Ziviltrauung, der Polterabend und viele weitere Highlights. Und wie ich im letzten Blog-Post schrieb, durfte ich die Dekoration für die Kirche, das Apéro und das grosse Fest gestalten. So war ich die vergangenen Wochen nebst Kiddos und Arbeiten ziemlich absorbiert und kam zugegeben auch an meine Grenzen. 

Doch ich bin dankbar, all das genau so erlebt zu haben und ja ich würde es wieder tun und das immer und immer wieder - ich weiss, ich bin ein Huhn, aber ich glaube, dass es das schönste Geschenk ist, wenn wir uns einander verschenken. Uns in andere investieren. In welcher Form auch immer. Und genau das hat mich gestern an der Traupredigt und den Gedanken der vorherigen schlaflosen Nacht zutiefst berührt. Es ging um die höchste Form der Liebe. Es ist die Liebe, welche uneigennützig ist. Es ist die Agape-Liebe

Die Agape Liebe ist das höchste Level an Liebe, die wir - alle NICHT haben. Wir bekommen sie alleine nur durch Gott. In der Nacht vor der Hochzeit studierte ich lange an folgendem Gedanken herum:

Die Ehe ist etwas Schönes, aber auch etwas ganz schön Schwieriges. Sie ist die Kunst immer wieder auf denselben Menschen zu zugehen. Im besten Fall ein Leben lang.

Manchmal gibt es Momente, da ist genau dies nicht für beide Teile möglich. Da ist es mühsam und anstrengend. Mäni und ich feierten vergangenen Dienstag acht Jahre verheiratet sein. Meine Eltern zwei Tage vor uns 34 Jahre. 34 Jahre! Ich erinnere mich noch zu gut an die Worte unseres Predigers an unserer eigenen Hochzeit. Er sprach davon, dass sich die Ehe ähnlich wie ein Bankkonto verhält, auf das man einzahlt. Und er sprach davon, dass sich jedes Einzahlen, ob von beiden Teilen gleichzeitig, oder nur von einem Teil immer lohnt, und dass früher oder später Zinsen anfallen.

Wenn ich auf unsere Ehejahre zurückblicke, weiss ich, dass es sich lohnt, genau in diesen Zeiten, wo man es gut zusammen hat, zu investieren. So viel man kann. So werden die härteren Zeiten tragbarer. Für Mäni und mich ist es ein Privileg seit beginn unserer Ehe in ein Paar-Mentoring zu gehen. Wir durften so bereits in vielerei Hinsichten unsere Ehe festigen.

Gestern stand auf dem Kirchenbüchlein von Mirj & Eli der folgende Vers:

Wichtiger als alles andere ist die Liebe. Wenn ihr sie habt, wird euch nichts fehlen. Sie ist das Band, das euch verbindet.
Die Bibel, Kol. 3, 14.

Und nun komme ich wieder auf die Traupredigt von gestern zurück. Die Agape-Liebe! Nur durch sie ist es möglich immer und immer wieder auf einander zu zugehen, zu geben ohne zu erwarten, zu investieren ohne zu fordern. In den vergangenen Wochen erlebte ich durch meine Mitmenschen genau diese Agape-Liebe.

Es war die Frau von der Blumenbörse, die mir die Blumen direkt nach Hause lieferte und mir so ganz viel Stress abnahm. Es war Mäni, der meine Launen aushielt, mich ermutigte und mich runterholte, wenn ich gestresst war. Es war die Frau im Blumenladen, die mir in letzter Sekunde mit Schleierkraut aushalf, das noch fehlte. Es war mein Mami, das mit mir im Keller bis in die späten Abendstunden bastelte und mein Paps, der mit Mäni die Kiddos zu Bett brachte und den Haushalt rüttelte. Es waren die Schwiegereltern, die unsere Kiddos zum Übernachten zu sich nahmen und den Koffer mit frischduftender und gewaschenen Kleider retournierten. Das ist für mich Agape-Liebe!


Und ich will sie weitergeben - immer und immer wieder.

PS: die Bilder oben entstanden zwei Tage vor der Hochzeit. Jene vor der Hausfassade hat Lou geschossen ;). Es war auf dem Weg, wo ich verzweifelt noch mehr Schleierkraut organisieren musste und mit dem Kinderwägeli vom grossen Coop zum kleinen Coop und dann zum Migros wägelte und schliesslich im Blumenladen fündig wurde. 



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